Episodenbeschreibung
Worfs Bruder Kurn kommt betrunken auf die Station. Nachdem Worf sich gegen Gowron und das Reich
gestellt hat, hat Kurn seinen Sitz im Hohen Rat, seinen Besitz und seine Ehre verloren. Nun ist
er auf die Station gekommen, damit Worf an ihm das Mauk-to'Vor-Ritual durchführt, welches einen
rituellen Mord beinhaltet, damit der Getötete ins Sto'Vo'Kor, die klingonische Nachwelt kommt.
Worf willigt ein das Ritual durchzuführen, da er letztlich für Kurns Schande verantwortlich ist.
Dax bekommt von Worfs Vorhaben durch Zufall Wind und greift zusammen mit Odo ein, als Worf das
Ritual gerade beendet hat. Dax lässt Kurn sofort auf die Krakenstation beamen, wo Bashir
ihn erfolgreich wiederbeleben kann. Worf bekommt eine Rüge von Sisko. Als Kurn wieder aufwacht,
erklärt Worf ihm was passiert ist und macht ihm klar, dass die Zeit für seinen Tod noch nicht
gekommen ist.
Inzwischen kommen Kira und O'Brien von einer Routinemission nach DS9 zurück. Am Rande des
bajoranischen Raumes stoßen sie auf eine unerklärliche Explosion. Als sie der Sache nachgehen
wollen, enttarnt sich ein klingonischer Bird of Prey und zwingt sie, zurück in den bajoranischen
Raum zu fliegen. Sisko möchte der Sache weiter nachgehen und schickt die beiden mit der Defiant
los, um die Ereignisse zu untersuchen.
Inzwischen bringt Dax Worf auf die Idee, dass Kurn Sicherheitsoffizier werden könnte. Worf bittet
Odo um einen Gefallen und dieser willigt ein, Kurn in sein Team der bajoranischen Sicherheit zu
integrieren. Das funktioniert auch eine Weile ganz gut, doch als Kurn bei einem Frachter einen
Container Schmuggelware entdeckt, zieht der Captain des Frachters einen Phaser und schießt auf
ihn. Kurn, der sich offenbar immer noch den Tod wünscht, leistet keinerlei Gegenwehr und lässt
sich einfach erschießen. Bashir kann ihn jedoch auch dieses Mal retten.
Während Kira und O'Brien mit der Defiant das Grenzgebiet abfliegen, kommt es zu einer weiteren
Explosion. Dabei wird ein klingonischer Kreuzer der Vor'cha-Klasse beschädigt. Kira bietet die
Hilfe der Defiant an. Die Klingonen nehmen sie an. Die Defiant schleppt den Kreuzer nach
DS9, wo die verletzten Klingonen behandelt und die Schäden repariert werden.
Sisko lässt seine Offiziere zusammenrufen. Während der Besprechung folgert man aus den
verschiedenen Indizien, dass das klingonische Schiff auf eine Mine gelaufen sein muss, die wohl
defekt war. Normalerweise bleiben klingoniche Minen inaktiv, bis sie mit einem bestimmten Code
scharf gemacht werden. Offensichtlich versuchen die Klingonen, das bajoranische System zu verminen,
um es bei einem eventuellen Krieg zwischen Föderation und klingonischem Reich zu isolieren. Sisko
entschließt sich, die Codes für die Detonation der Minen auf dem defekten klingonischen Schiff zu
holen, welches immer noch am oberen Pylon 3 angedockt ist. Worf hat auch eine Idee, wie man in
das Schiff gelangen könnte.
Worf redet mit Kurn über seinen Plan. Er möchte, dass sie beide in klingonischen Uniformen auf das
Schiff beamen und sich die Informationen dort beschaffen. Kurn sträubt sich dagegen, das Reich zu
verraten, doch Worf macht ihm klar, dass Gowron bald einen Krieg mit der Föderation beginnen wird,
wenn er mit der Verminung dieses Systems ungestraft davonkommt. Diesen Krieg könnte er jedoch
leicht verlieren und das würde den Untergang des klingonischen Reiches bedeuten. Kurn willigt ein
zu helfen, um das Reich vor dem Untergang zu bewahren. Die beiden erhalten kligonische Uniformen
und ein etwas anderes Aussehen. Sie beamen auf den Kreuzer und gelangen dort an die Daten.
Sie werden jedoch von einem Lieutenant überrascht, der sie nicht kennt und wissen will, was sie
dort machen. Worf spricht mit ihm und ist der Meinung er habe ihn eingeschüchtert, doch als er ihm
den Rücken zuwendet, erschießt Kurn den Lieutenant. Dieser hatte unbemerkt ein Messer gezogen und
wollte Worf offenbar töten. Die beiden laden die Daten herunter und kehren auf die Station zurück.
Sisko schickt Kira und O'Brien erneut los, um die Minen zu beseitigen, während sich Worf darüber
Gedanken macht, wie es mit Kurn weitergehen soll. Dieser glaubt, dass seine Schande komplett ist,
nachdem er einen klingonischen Offizier getötet hat. Er möchte sich nun offenbar selbst töten. Dax
bringt Worf auf eine Idee und der Sicherheitsoffizier führt sie tatsächlich aus.
Kira und O'Brien lassen die klingonischen Minen detonieren. Die klingonischen Schiffe kehren in
ihren eigenen Raum zurück.
Worf lässt Bashir Kurns Gedächtnis löschen und gibt ihm eine neue Identität. Noggra, ein alter Freund
von Worfs Vater Mogh, hat eingewilligt, Kurn in seine Familie aufzunehmen. Als Kurn nach der Löschung
erwacht, erinnert er sich an nichts mehr. Man erzählt ihm, der nun Rodek heißt, eine
Geschichte von einem Unfall, bei dem er sein Gedächtnis verloren hat, und Noggra nimmt Rodek mit nach
Hause. Beim Verlassen der Krankenstation fragt Rodek Worf, zu wessen Familie er gehöre, woraufhin
Worf antwortet, er habe keine.
Bewertung
"Die Söhne von Mogh" ist eine recht interessante Folge, bei der der Gegensatz zwischen gelungenem
Charakterdrama und holpriger Logik kaum größer sein könnte.
Klingonenexperte Ronald D. Moore schafft es mit seinem Drehbuch zu dieser Episode, das an sich in
TNG schon oft genug behandelte und eigentlich inzwischen ausgelutschte Klingonenthema auf eine durchaus
interessante Weise umzusetzen und wieder neu zu beleben.
Die Handlung ist gut konstruiert und bietet viel Konfliktstoff, da Worf hier mit den Schattenseiten
seines Lebens in der Föderation konfrontiert wird. Die Folge entwirft eine insgesamt sehr interessante
und stimmig umgesetzte Charakterisierung rund um Worf und seinen Bruder Kurn, der hier seinen ersten
und einzigen Auftritt in DS9 hat.
Es ergibt sich eine interessante Parallele zur TNG-Folge
3.17: Die Sündern des Vaters (welche einen der ersten
Star Trek-Beiträge Moores darstellt), in der Kurn zum ersten Mal zu sehen war. Damals kam er an Bord
der Enterprise und stellte Worf auf die Probe, um herauszufinden, ob Worf noch ein Klingone ist, oder
ob er inzwischen durch sein Leben in der Föderation schon zu sehr vermenschlicht wurde. Ähnlich wird
Worf auch hier mit den Auswirkungen seines Lebens in der Sternenflotte konfrontiert. Worf muss sich
damit auseinandersetzen, dass das Leben in der Föderation bei ihm durchaus Spuren hinterlassen
hat. Wie er Dax gegenüber verlauten lässt, betrachtet er das Mauk-to'Vor-Ritual nun ebenfalls als Mord
und muss erkennen, dass er wohl nie wieder ins klingonische Reich zurückkehren kann, selbst wenn seine
Ehre wieder hergestellt wird, da er sich trotz aller Bemühungen klingonisch zu sein und zu leben, doch
zu sehr von der Lebensweise seines Volkes entfernt hat.
Die Charakterisierung Worfs ist stimmig und passt gut zu verschiedenen Episoden in TNG, in denen
Worf Probleme mit der Lebensweise der Klingonen hatte, sich jedoch eingeredet hat, er könne trotz
allem noch im klingonischen Reich leben, wenn er das wollen würde.
Damit bringt die Episode auf gekonnte Weise Worfs Charakter noch einmal auf den Punkt und entwickelt
ihn weiter. Die Folge verdeutlicht uns im Grunde noch einmal Worfs wichtigste Eigenschaften, Tugenden und
seine Einstellung gegenüber dem klingonischen Reich und seinem Führer Gowron. Letztendlich kann man
Kurn Recht geben, der Worf als ehrenvollen Mann bezeichnet, allerdings auf seine ganz eigene Weise.
Worf ist sicher nicht der Standard-Klingone, sonst hätte er niemals die Entehrung akzeptiert, sondern
wäre Gowrons Kriegsplänen gefolgt. Trotzdem trägt Worf auf seine Weise Alles dazu bei, was seiner
Meinung nach nötig ist, damit das kligonische Reich überlebt. Worfs Charakterzug, das eigene Wohl
hinter das des Reiches zu stellen, kennen wir bereits aus TNG (zum Beispiel aus der oben genannten Folge)
und wird hier noch einmal sehr sinnvoll eingesetzt.
Worfs Erkenntnis, dass er sich wohl doch zu sehr von der klingonischen Lebensweise entfernt hat, um
im Reich zu leben, wird uns in einer hervorragenden Schlüsselszene zwischen Worf und Dax nähergebracht,
die äußerst gelungene Dialoge hat und besonders deutlich macht, wie sehr Worf sich inzwischen
eben doch in Richtung der Menschen entwickelt hat.
Seine Einsicht lässt ihn dabei deutlich erwachsener erscheinen, als dies bisher der Fall war, denn
Worf spricht hier eine Erkenntnis aus, die der Zuschauer von seinem neutralen Standpunkt aus wohl
schon früher, zu Zeiten von TNG, hatte.
Gleichzeitig kam Worfs Einsicht recht überraschend. Bisher hatte man Worf immer in erster Linie als
nach Ehre strebenden Klingonen dargestellt, der nebenbei auch noch Sternenflottenoffizier ist, während
man nun dazu überging, Worfs Prioritäten bei der Sternenflotte anzusiedeln, deren Werte und Moral er
inzwischen durch sein Leben bei ihr übernommen hatte. Dieses Vorgehen kam nicht nur unerwartet, sondern
sorgte nach unzähligen Episoden über die klingoniche Ehre für einen gelungenen frischen Wind.
Gleichzeitig sorgte das gute Drehbuch dafür, dass Worfs Wandlung durchaus überzeugte und nicht völlig
vom Himmel viel.
Auch das erneute Erscheinen von Kurn ist gelungen. Seine Entwicklung wird auf interessante und
sinnvolle Weise weitergeführt. Kurn wirft Worf einerseits vor, dass er seine Ehre im klingonischen
Reich auf dem Gewissen hat, muss andererseits aber dem älteren Bruder nach den klingonischen Sitten
gehorchen. Das Drehbuch entwickelt für Kurn eine interessante, scheinbar aussichtslose Situation. Auf
der einen Seite hat er keinen Platz im klingonischen Reich, auf der anderen Seite kann er auch nicht
einfach seinem Bruder folgen und ebenfalls eine Karriere bei der Sternenflotte beginnen, dazu ist seine
Abneigung gegenüber den Menschen und der Föderation doch zu groß. Ein Umstand wird in der Episode
leider überhaupt nicht angesprochen, nämlich die Tatsache, dass Worf überhaupt erst derjenige war, der
seinerzeit von Kurn verlangt hat, Gowron im klingonischen Bürgerkrieg zu unterstützen (TNG:
4.26 + 5.01: Der Kampf um das klingonische Reich) und nun derjenige
ist, der erneut einfach entschieden hat, Gowron den Rücken zu kehren, ohne sich vorher mit seinem
Bruder zu beraten. Dass Kurns Dilemma und seine Flucht in den Alkohol glaubwürdig erscheint, ist auch
der gewohnt guten Vorstellung von Tony Todd zu verdanken, der hier bereits zum zweiten Mal in der
4. Staffel, allerdings in einer anderen Rolle als beim letzten Mal, glänzen kann.
Im Gegensatz zur Folge 4.09: Das Schwert des Kahless, die das Klingonenthema
auf eintönige und langweilige Weise umsetzte, kann diese Episode also durchaus überzeugen. Mit der
Konfrontation zwischen Worf und Kurn steht ein interessanter Konflikt im Mittelpunkt der Handlung,
durch den sich auch die Charaktere weiterentwickeln dürfen. Gleichzeitig wird der Konflikt zwischen
Worf und Kurn durch eine spannende und interessante Nebenhandlung aufgelockert, die zum Einen die
Ereignisse aus 4.01 + 4.02: Der Weg des Kriegers weiter führt und zum Anderen
direkt mit der Haupthandlung um Worf und Kurn verbunden ist. Alles in allem also die besten
Voraussetzugen für eine exzellente Episode. Der Grund dafür, dass die Folge letztendlich trotzdem
nicht zu begeistern vermag, liegt ganz woanders.
Da wäre zum Einen das Ende der Episode, welches leider den positiven Eindruck erheblich trübt. Worfs
Vorgehen, seinem Bruder einfach eine neue Identität zu verpassen und seine alte zu löschen, um dessen
Probleme zu lösen, ist ethisch gesehen - gelinde gesagt - fragwürdig. Es stellt sich die Frage, ab wann ein
solcher Identitätswechsel gerechtfertigt ist. Hier haben wir natürlich einen äußerst schweren Fall und
Kurn ist sicher akut selbstmordgefährdet, trotzdem stellt sich die Frage, ob ein Sternenflottenoffizier,
der unzufrieden mit seiner Karriere ist, ebenfalls eine neue Identität erhalten soll. Auch wenn dieser
Vergleich kräftig hinkt, fragt man sich, wo da die Grenze zu ziehen ist. Letztendlich handelt es sich
bei Worfs Vorgehen schließlich um nichts anderes als eine schwächere Form, seinen Bruder umzubringen.
Kurn ist nach der Prozedur körperlich zwar noch am Leben, erinnert sich jedoch nicht mehr an sein
früheres Leben und ist damit auch zu einem Teil gestorben. Natürlich kann man lange darüber streiten,
ob Worfs Vorgehen letztlich aus ethischer Sicht gerechtfertigt war, oder ob er hier zu weit gegen die
menschliche Moralvorstellung verstößt. Auch nach tagelanger Diskussion würde man hierbei vermutlich zu
keinem Ergebnis kommen. Das Problem der Episode ist auch weniger, dass Worf sich für die Auslöschung von
Kurns Gedächtnis entscheidet, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich niemand auf der Station auch nur
die geringsten Gedanken über so etwas macht. Die Frage der Moral wird in der ganzen Episode kein
einziges Mal gestellt. Zugegebenermaßen hätte die Folge ganz anders angelegt werden müssen, hätte man
die Frage der Moral noch klären wollen, da hierfür die letzten Minuten der Episode einfach zu kurz
gewesen wären, trotzdem haben sich die Autoren hier offenbar davor gescheut, die ethischen Fragen von
Worfs Entscheidung angemessen zu behandeln. Vielleicht geschah dies sogar mit Absicht, da man die
moralische Fragwürdigkeit von Worfs Entscheidung erkannte und keine ausreichende Rechtfertigung parat
hatte. Man kann über Worfs Entschluss denken was man will, die Folge hätte jedenfalls die Frage der
Ethik niemals einfach so unter den Tisch fallen lassen dürfen.
Autor Ronald D. Moore sagte nach der Sendung der Folge, dass die Frage der Moral nicht vor der Kamera
gestellt wurde, um nicht vom Hauptthema der Episode abzulenken. Moore räumte dabei ein, dass dies
vermutlich ein Fehler war.
Die Entscheidung der Autoren lässt auch Dr. Bashir in keinem guten Licht dastehen. Als regelmäßiger
Zuschauer kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen, dass Bashir einer kompletten Auslöschung des
Gedächtnisses einer Person zugestimmt hat. Da Bashirs Bedenken jedoch in der Folge nicht erwähnt
wurden, wirkt die Krankenstation ein wenig wie Frankensteins Vorzimmer, in dem den Patienten kurzerhand
das Gedächtnis gelöscht wird.
Offen gelassen wird die Frage, ob Worf die Auslöschung von Kurns Gedächtnis eigenmächtig entschieden
oder vorher mit seinem Bruder abgestimmt hat. Eigentlich kann man sich kaum vorstellen,
dass Kurn dem einfach zugestimmt hätte, schließlich erscheint das Vortäuschen einer neuen Identität
nicht unbedingt besonders ehrenvoll, andererseits ist Worfs Entscheidung ohne Kurns Zustimmung
natürlich noch weitaus fragwürdiger.
Neben der Frage der Moral hapert es in der Handlung auch ganz gewaltig mit der Logik. Zunächst
erscheint es merkwürdig, dass sich ausgerechnet Dax in das Mauk-to'Vor-Ritual von Worf einmischt, ist
es doch noch nicht einmal 2 Jahre her, dass sie in Folge 2.19: Der Blutschwur
loszog, um zusammen mit den Klingonen Koloth, Kor und Kang einen Rachemord zu begehen (der übrigens
ebenfalls völlig ungesühnt blieb). Hier kann man natürlich argumentieren, dass Dax vielleicht inzwischen
erwachsener geworden ist und aus ihren Fehlern gelernt hat.
Unüberwindbar werden die Widersprüche dann aber bei Odos Äußerung, dass Worf wegen Mordes angeklagt
wird, wenn Kurn das Mauk-to'Vor-Ritual nicht überlebt. Fraglich ist, warum Worf nicht wegen versuchten
Mordes angeklagt wird, als klar ist, dass Kurn überlebt. Offenbar bestrafen die Sternenflotten- bzw.
Stationsbestimmungen nur die erfolgreiche Durchführung einer Tötungsabsicht, nicht aber den Versuch
selbst, was schon sehr merkwürdig erscheint. Gleichzeitg ergibt sich durch das Mauk-to'Vor-Ritual ein
Widerspruch zur TNG-Folge 5.16: Die Operation, in der Worf Riker um
die Durchführung dieses Rituals bat, als er nach einem Unfall querschnittsgelähmt war. Damals bat Riker
seinen Captain um Rat und dieser ermutigte Riker zur Durchführung des Rituals. War denn die Durchführung
des Rituals damals noch nicht strafbar, oder wollte Picard tatsächlich seinen Ersten Offizier hinter
Gitter bringen?
Auch stellt sich die Frage, ob das Löschen eines Gedächtnisses nicht auch gegen irgendwelche
Stationsbestimmungen verstößt.
Letztendlich ist Worfs Vorgehen mal wieder ein Beleg dafür, dass auf DS9 offensichtlich jeder machen
kann, wonach ihm gerade der Kopf steht. Dax begeht mit drei alternden Klingonen kurzerhand einen
Rachemord, ohne dass sie je zur Verantwortung gezogen wird und Worf versucht seinen Bruder umzubringen,
wird aber nur dann dafür bestraft, wenn ihm der Mord auch gelingt. O'Brien widersetzt sich einem
ausdrücklichen Befehl Bashirs(4.04: Der hippokratische Eid), Quark verstößt
regelmäßig gegen irgendwelche Gesetze, wird aber nie dafür bestraft und Sisko düst ständig mit seiner
gesamten Führungscrew im Gammaquadranten umher, obwohl ihm das Dominion das Eindringen in diesen Raum
untersagt hat.
Äußerst kurzweilig und gelungen gestaltet sich die Nebenhandlung um das Minenfeld der Klingonen,
welche fast schon nebenbei die Ereignisse aus dem Staffelauftakt
4.01 + 4.02: Der Weg des Kriegers auf spannende Weise weiterführt und dazu
führt, dass auch die anderen Hauptpersonen in dieser Episode ein bisschen was zu tun
bekommen.
Die Klingonen, die das Minenfeld installieren, stellen sich dabei aber wieder einmal nicht besonders
intelligent an. Nachdem Kurn und Worf das klingonische Schiff wieder verlassen haben, könnte man
annehmen, dass man dort die Leiche des von Kurn getöteten Lieutenant findet, daraus folgern,
dass jemand die Codes für die Zerstörung der Minen gestohlen hat und diese Codes ändern. Doch nichts
dergleichen passiert, stattdessen warten die Klingonen seelenruhig darauf, dass die Defiant ankommt und die
Minen detonieren lässt.
In dieser Folge wird noch einmal kurz auf das gespannte Verhältnis zwischen Worf und Odo eingegangen,
welches seit der Episode 4.04: Der hippokratische Eid nicht das beste ist.
Andeutungen gibt es in Richtung einer sich entwickelnden Beziehung zwischen Worf und Dax,
wobei nicht bekannt ist, ob die Produzenten wirklich schon mit dem Gedanken spielten, die beiden ein
Paar werden zu lassen, oder ob es sich um einen Zufall handelt, dass Dax und Worf hier einige
gemeinsame Szenen haben.
Worfs Darsteller Michael Dorn zeigte sich am Ende der 4. Staffel nicht sonderlich zufrieden über die
Art, wie der Klingone in den 26 Episoden in die Handlung eingebunden wurde. "Die Söhne von Mogh" war seinen
Aussagen nach die einzige Episode, die seinen Vorstellungen entsprach, die er zu Beginn des
Produktionsjahres hatte, als er erneut für eine permanente Rolle unterschrieb.
Tony Todd hat in dieser Episode seinen 4. Auftritt als Kurn, nachdem er in dieser Rolle bereits in
3 TNG-Folgen zu sehen war. Todd war über diesen Auftritt nicht sonderlich begeistert. Er hatte wohl
bereits zugesagt, bevor er das Drehbuch gesehen hatte. Todd hielt das Einfügen des Mauk-to'Vor-Rituals
für keine gute Idee. Er hätte es lieber gesehen, wenn Kurn auf die Station gekommen wäre, um Worf zu
töten. Unzufrieden war Todd auch mit dem Ende, da es für seine Rolle das endgültige Aus bedeutete,
während Todd, der sich seit Jahren um eine Hauptrolle in Star Trek bemühte, auf weitere Auftritte
Kurns gehofft hatte.
Drehbuchautor Ronald D. Moore schrieb mit dieser Episode bereits sein 36. Drehbuch für Star Trek und
bewegte sich mit dem Klingonen-Thema auf seinem Lieblingsterrain.
Produzent David Livingston lieferte hier zum wiederholten Male eine tolle Regiearbeit ab. Livingston
durfte für diese Episode auch eine Szene mit Dr. Bashir als Geheimagent aus der Episode
4.10: Unser Mann Bashir drehen, die leider aus Zeitgründen entfallen musste.
Die deutsche Version fällt durch kleinere Ungereimtheiten auf. Zum Beispiel spricht Sisko davon,
eine Sensorabtastung einer Koordination durchzuführen, was wohl besser mit Koordinaten übersetzt
worden wäre.
Effektetechnisch hat die Folge vor allem in der Nebenhandlung einiges zu bieten. Die Explosion der
Minen und das beschädigte klingonische Schiff können überzeugen.
Alles in allem hätte "Die Söhne von Mogh" mit der spannenden Handlung und der guten Charakterisierung
von Worf und Kurn eine ganz große Star Trek-Episode werden können. Leider vergab man diese Chance,
als man sich dafür entschied, die moralischen Fragen von Worfs Entscheidung am Ende der Episode
nicht näher zu behandeln. Die unüberwindbaren Logikfehler tun ihr Übriges, um die Bewertung der
Handlung negativ zu beeinflussen. So bleibt als Endergebnis für die Episode leider nur ein
"Befriedigend".
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