Rückblick -
Voyager: Das Ende der umstrittenen Serie
von Malte Kirchner (malte@startrek-index.de)

"We did it." Das
sind die letzten Worte von Captain Janeway, nachdem die Voyager in dem
spektakulären Zweiteiler "Endspiel" (engl. "Endgame")
letztlich das Serienziel erreichte.
Mit dieser recht gedämpften Aussage - ohne jegliche Euphorie - verliehen
möglicherweise auch die Autoren ihren Gedanken Ausdruck. Auf der einen
Seite soll die Aussage den Triumph aufzeigen - "Ja, wir schafften
doch die sieben Staffeln", auf der anderen Seite zeigt die
ausbleibende Euphorie auf, dass es sieben größtenteils doch recht
beschwerliche Jahre waren, sowohl für die Crew der Voyager, als auch für
die Macher der Serie.
Die Serie hatte es aber auch nie einfach. Als sie 1995 startete, war die
Besetzung der Rolle des Captains durch eine Frau eigentlich eher eine
Nebensächlichkeit für die meisten Fans. Dass eine Frau der Captain war -
darüber redete man erst im Verlauf der Serie. Viel wesentlicher war, dass
man erstmals ein Raumschiff auf die Reise schickte, dass nicht
"Enterprise" hieß. Für viele Fans scheinbar unzumutbar - von
vornherein begegnete man der Serie mit Argwohn, teilweise auch
Engstirnigkeit. Die "Next Generation" präsentierte gerade ihr
erstes Kinoabenteuer, war also zu der Zeit am erfolgreichsten, ein Jahr
nach Serien-Ende, und selbst DS9 - anfangs auch Sorgenkind, aufgrund
seiner neuen, eigenen Art - hatte sich mittlerweile etabliert.
Dazu kam, dass die Autoren für Voyager offenbar kein richtiges Konzept
hatten. Die Ausgangssituation hatte denkbar viel Potential: Ein gänzlich
neuer Quadrant, ein modernes Raumschiff, das an keinerlei
Namens-Traditionen gebunden ist und zwei verschiedene Crews - die
Terroristen auf der einen und die Guten auf der anderen Seite -, die sich
praktisch vereinen mussten, um zu überleben.
Was die Autoren daraus machten, war sehr dürftig. Die Integration der
Maquis-Crew wurde schnell abgehandelt, die Charaktere blieben bis auf
Ausnahmen blaß. Ein Trend, der sich leider auch im weiteren Verlauf der
Serie nicht großartig ändern sollte. Ganz im Gegenteil: Mit der Einführung
von Seven of Nine fokussierte man diesen einen Charakter - neben Janeway
der am Ende wohl bedeutsamste - so stark, dass Nebencharaktere wie Harry
Kim bis zum Ende vergeblich auf ihre Beförderung warten durften.
Das Umfeld Delta-Quadrant war da nicht viel besser: Zwei Jahre flog man
scheinbar im Kreis, traf immer wieder dieselben Kazon, die auch immer
wieder trotz mangelnder Intelligenz und fehlender Technik Wege fanden, die
Voyager empfindlich aufzuhalten.
Ab der dritten Staffel gab es dann den radikalen Wandel. Die Autoren führten
ein, was zu TNG-Zeiten eigentlich jeder im Delta-Quadrant zuerst vermutet
hätte: Die Borg. Aufwenig inszeniert sprengte man von nun an jeden
Superlativ in der Effekt-Technik, um über die wahren Schwächen der Serie
hinwegzutäuschen. Ein bis dato unerreichter Superlativ war auch das enge
Kostüm einer einzelnen Darstellerin.
Als mit der fünften Staffel die Hälfte der Serie vorüber war, glaubte
keiner mehr so recht an den großen Wandel. Die Episoden nahmen zwar seit
der dritten Staffel merklich an Qualität zu, doch was TNG seinerzeit
ablieferte, sollte unerreicht bleiben. Schon gab es auch Gerüchte,
Voyager werde seine fünfte Staffel nicht überleben. Kate Mulgrew, die
Darstellerin von Janeway, dachte in Interviews laut über ihr Ausscheiden
nach, während Robert Beltran um die Welt reiste und auf Conventions gegen
die Macher der Serie wetterte.
Die Voyager flog am Ende doch sieben Jahre über die TV-Schirme, allen
Schwächen und Unkenrufen zum Trotz. Das ist für sich genommen im harten
TV-Business schon eine reife Leistung. Doch bei allen Negativ-Aspekten
hatte diese Serie auch ihre unbestreitbaren Reize: Die relativ seltenen
Charakterentwicklungen waren oft Glanzstücke. Am Ende ließ man aber
immer noch genug Potential für ein Danach. Dass es aber nicht geben wird.
Nach "We did it" wurde das Licht ausgeschaltet. Die Fans sollen
zwar irgendwann, irgendwie Janeway wieder zu Gesicht bekommen, aber die
Jahre der Voyager sind gezählt. Sie wird uns nur noch in endlosen
Wiederholungen erneut begegnen. We did it.